PFERDE-, DAMPF-, GAS- ODER ELEKTRISCHE STRAßENBAHN?
Dieser Offerte von Carl Ströhler im Nahmen des "Syndikats für
Financierung, Bau und Betrieb von Secundär- und Pferdebahnen",
Berlin, ging ein Schreiben der Fabrikbesitzer der Lebuser Vorstadt, unter
Ihnen Heinrich Pantel von der Stärke-Zuckerfabrik AG in der Chausseestraße
(Goepelstraße), an die Königliche Direktion der Niederschlesisch-Märkischen
Eisenbahn voraus. Sie beantragten im Januar 1880 den Bau einer 3,4 km langen
Verbindungsstrecke vom Bahnhof bis zur Lebuser Vorstadt zum Transport ihrer
Waren. Die Bahn sah sich jedoch nicht in der Lage, "dem Projekt näher
zu treten" und sagte ab. Doch die Stadt setzte sich für diese
Bahn ein und schrieb an den Minister für öffentliche Arbeiten.
Sie erhielt die Zusage, dass dem Bau der Bahn durch einen Privatunternehmer
und der Einführung einer Tarifstation nichts im Wege stehe. Carl Ströhler
hatte inzwischen das Projekt in eine andere Richtung gelenkt. Er wollte
zwei Strecken errichten. Eine sollte dem Personenverkehr vorbehalten sein
und vom Bahnhof über den Wilhelmsplatz bis zur Berliner Straße
als Pferdebahn führen. Den Güterverkehr wollte er jedoch nicht
zum Bahnhof lenken, sondern bei der 2 km von der Lebuser Vorstadt entfernten
Braunkohlengrube "Vaterland", wo sich eine Weiche der Eisenbahnstrecke
nach Cüstrin befand, eine weitere Weiche für den Güterverkehr
aus der Lebuser Vorstadt bauen. Die zweite Strecke sollte dann entsprechend
von der Berliner Straße/Ecke Cüstriner Straße/Chausseestraße
zur künftigen Station "Grube Vaterland" als Lokomotivbahn
ausgeführt werden und zugleich das Oderbollwerk einbeziehen. Im Laufe
der Verhandlungen erhielt Carl Ströhler von der Stadt nur die Konzession
für die Güterbahn. Die Stadt wollte sich den Bau der Pferdebahn
jetzt selber vorbehalten. Ströhler hoffte jedoch, später auch
die Konzession für die Personenbahn zu erhalten, da es nach seiner
Meinung unerlässlich war, beide Bahnen zusammenzulegen.
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| Befürwortendes Schreiben des Magistrats zum Antrag der Fabrikanten
der Lebuser Vorstadt |
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Am 1. November 1881 begann der Betrieb der Güterbahn. Mit dem Anschluss
an das Oderbollwerk erweiterte sich das Geschäftsfeld der zwischenzeitlich
zu einer Aktiengesellschaft umgewandelten "Frankfurter Gütereisenbahn-Gesellschaft".
Sie kaufte die Stettiner Dampfschleppschiffahrts AG mit deren kombinierten
Personen und Schleppdampfern auf.
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| Entwurf des Konzessionsvertrages |
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Im Mai 1885 fuhr einer der Dampfer der "Frankfurter Gütereisenbahn-Gesellschaft"
mit elektrischer Beleuchtung und erregte damit große Aufmerksamkeit.
Siemens & Halske, das führende Unternehmen von Leitungs- und Kabelsystemen
und Hersteller von Dynamomaschinen, versuchte damit in Frankfurt das elektrische
Licht publik zu machen. Außerdem beabsichtigte Bernhard Coßmann,
der Vertreter von Siemens & Halske vor Ort, die Haus- und Ladenbesitzer
der Regierungsstraße und der Häuserblocks Gr. Scharrnstraße/Regierungstraße/Jüdenstraße/Tuchmacherstraße
in Frankfurt (Oder) für die Ausstattung mit Glüh- und Bogenlicht
gewinnen. Das Projekt scheiterte. Es wird angenommen, dass die Station von
den nur wenigen Interessenten nicht finanzierbar war. Daraufhin wurde versucht,
einzelne Hausbesitzer für eigene Anlagen zu gewinnen. Den ersten, wenn
auch vorerst nur vorübergehenden Erfolg hatte die Firma bei Richard
Donath, dem Besitzer der Kerzenfabrik, Wilhelmsplatz 21, der 1886 in seiner
Fabrik eine Dynamomaschine installieren ließ , welche die 20 Glühlicht-
und vier Bogenlampen mit Strom versorgte. Einer der eifrigsten Befürworter
des noch sehr teuren elektrischen Lichtes war Kommerzienrat Paul Mende.
Eine von ihm durchgeführten Umfrage bei den Geschäftleuten ergab
einen Bedarf für 422 Glüh- und 31 Bogenlampen ergab. Daraufhin
plante die Stadt die Errichtung einer "Centralanlage für elektrische
Beleuchtung". Auf die 1888 im "Elektrotechnischen Anzeiger"
veröffentlichte Ausschreibung gingen vier Angebote ein.
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| Alte Holz- und neue Steinbrücke (im
Bau) |
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Stadtbaurat Malcomeß verglich die Angebote von Siemens & Halske,
den Berliner Elektricitätswerken (AEG Berlin), Schuckert Nürnberg
und den Deutschen Elektricitäts-Werken zu Aachen miteinander. Das beste
Angebot kam von Siemens & Halske. Der Stadtbaurat, ein besonderer Befürworter
der Elektrizität, warb für die Zentralstation. Die Anlage sollte
von der Stadt selbst betrieben werden und der so erzielte Gewinn den Konsumenten
durch entsprechende Preissenkungen wieder zu Gute kommen. Doch der "Gaskonkurrenz"
gelang es in der folgenden Zeit die Interessenten zu verunsichern. Mangels
Interessenten musste das Projekt aufgegeben werden. Seit der Absage an den
Direktor der Güterbahn Ströhler ruhte auch das Projekt der Pferdestraßenbahn.
Da das Transportproblem immer dringender wurde, beantragte im September
1886 der in der Dammvorstadt wohnende Fritz Meißner die Genehmigung,
regelmäßige Omnibusfahrten vom Bahnhof zur Cüstriner Straße
durchführen zu können. Er begann mit einem Wagen und baute nach
und nach seinen Betrieb auf fünf Wagen und elf Pferde aus. Einen ersten
Anlauf der Stadt, die Pferdeeisenbahn durch die hier bekannten Regierungsbaumeister
Havestadt und Contag zu Berlin errichten zu lassen, scheiterte, da die Eisenbahn
die ihr gehörige Bahnhofstraße nicht zur Verlegung von Schienen
zur Verfügung. stellte. Dieser Streit um die Bahnhofstraße, ohne
die eine sinnvolle Straßenbahn in Frankfurt nicht denkbar war, sollte
Frankfurt noch lange in Atem halten.
Zudem wurde in dieser Zeit der Ersatz der alten Oderbrücke geplant.
Deshalb sollte abgewartet und dann die Straßenbahn gleich über
die neue Brücke in die Dammvorstadt geführt werden. Angesichts
des Baufortschrittes im Sommer 1894 begann dann wieder die öffentliche
Diskussion über die Straßenbahn. In der "Frankfurter Oder-Zeitung"
erschien 1894 ein Artikel, dem eine ganze Reihe von Meinungsäußerungen
folgte. Welche Bahn sollte Frankfurt haben? Eine Pferdebahn oder eine Lokomotivbahn?
Oder eine Bahn mit Gasmotoren? Wegen der großen Steigung der Bahnhofstraße
tendierte die Meinung immer mehr zur elektrischen Bahn als die richtige
Bahn für Frankfurt. 1894 verhandelte Bürgermeister Adolph mit
einer Elektrizitäts-Gesellschaft, welche "mit Ernst an ein Projekt
einer elektrischen Straßenbahn in Frankfurt a. O. herangehen, eventuell
auch die Stadt mit elektrischem Licht versorgen und elektrische Kraft für
Kleinmaschinen abgeben" wollte. Wenn auch der Wettlauf zwischen Gas
und Elektrizität war noch nicht entschieden war, die Anlage einer Pferdebahn
kam nicht mehr in Betracht. Die öffentliche Meinung wandte sich nun
immer mehr der Elektrizität als der zukunftsträchtigsten Variante
zu und so erklärte sich die zu diesem Zweck vom Magistrat und Stadtverordnetenversammlung
gebildete Kommission auf ihrer Sitzung am 15. Mai 1895 für eine Straßenbahn
mit Elektrizität und oberirdischer Leitung. Der Magistrat setzte sich
jetzt mit verschiedenen Firmen in Verbindung. Anfang 1896 erreichte die
Stadt eine Offerte der Berliner AEG, der sie den Vorzug gab. Anders als
die bisherigen Angebote von Siemens & Halske, Berlin, des Bankhauses
von Koenen und Co und Schuckert-Nürnberg, verzichtete die AEG auf jede
Zinsgarantie und verpflichtete sich vielmehr, die Straßenbahn völlig
auf eigene Kosten und auf eigenes Risiko zu errichten. Der Magistrat empfahl,
das AEG Angebot anzunehmen. Die Behandlung der wichtigen Magistratsvorlage
geschah am 19. März 1896. Am Ende wurde die Vorlage einstimmig angenommen.
Damit hatten die langen Verhandlungen ein glückliches Ende gefunden
und die Zeitung konnte am nächsten Tag verkünden: "Die elektrische
Straßenbahn für unsere Stadt ist gesichert."
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