UNTER DEM HAKENKREUZ

Mit dem Bau der neuen Kasernen und Siedlungen wurden auch neue Anforderungen an das Straßenbahn- und Busnetz gestellt. Westkreuz entwickelte sich zunehmend zu einem Verkehrsknotenpunkt. Die Straßenbahnlinie 2 wurde bis hierher erweitert. Am 15. Juli 1936 begann die Linie 2, deren Streckenbezeichnung nun Westkreuz - Stadion lautete, mit dem fahrplanmäßigen Verkehr. Für die im Fahrplan vorgesehene Verlängerung des Spätverkehrs - die letzte Bahn fuhr jetzt 4 Minuten nach 1 Uhr vom Wilhelmsplatz ab - erhielt die F.E.W. im März 1936 drei neue Triebwagen (Nr.58-60), die aus der Trieb- und Waggonfabrik Wismar kamen. Drei weitere Triebwagen aus Wismar folgten (Nr. 39 II - 41 II). Kurze Zeit später wurde die dritte Omnibuslinie eingeweiht. Die Linie C fuhr von der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 3 (Neuer Friedhof) bis zur Lossower Straße. Mit dem neuen Sommerfahrplan 1938 wurde die bisherige Straßenbahnlinie 3 wieder geteilt. Sie fuhr vom Neuen Friedhof zum Wilhelmsplatz und zurück, von hier konnte man dann mit den Linien 1 oder 2 weiterfahren. Die wieder eingerichtete Linie 4 verkehrte nur noch vom Wilhelmsplatz bis zum Buschmühlenweg (Stadtgrenze).

Blick in das Innere eines Straßenbahnwagens 1939


Die Finanzprobleme der F.E.W. häuften sich inzwischen und die Direktion versuchte vergeblich, eine Erhöhung der Tarife durchzusetzen, um die Verluste auszugleichen. Die Verluste, durch die verbilligten Tarife, wie die Fahrscheinblöcke (50 Fahrten für 5 RM) und die Wochenkarten und die letzten Endes nicht rentablen Streckenerweiterungen stiegen und beliefen sich 1937 schon auf fast 360.000 RM. Die Direktion beauftragte erneut Prof. Dr. E. Giese mit einer Untersuchung. Er kam zu dem Ergebnis, dass "der Straßenbahn- und Kraftwagenbetrieb mit erheblichen Verlusten gearbeitet hat, dass sich das Verkaufsgeschäft trägt ... und dass das E- Werk das mit einbringen muss, was die Straßenbahn und Kraftwagenbetrieb an Verlusten aufweisen". Es ist anzunehmen, dass die 1940 vom Regierungspräsidenten genehmigte vierte Buslinie D, die vom Ende der Linie 2 bis zum Fliegerhorst (Kolonnenbrücke) führte, das Minus weiter erhöhte.

Wochenkarte der Straßenbahn für 2 Fahrten täglich


Auf dem Flughafen war 1940 das Flieger- Ausbildungs- Regiment 41 stationiert. Von hier stiegen dann Flugzeuge zu ihren Angriffen in Richtung Osten auf. 1940, der angezettelte Krieg machte sich schon im eigenen Land bemerkbar, verhandelte die Stadt erneut mit der F.E.W. und der Lokalbahn, obwohl dazu nach dem 1935 abgeschlossenen Vertrag keine Notwendigkeit bestand. Die Stadt wollte die Allgemeine Lokalbahn- und Kraftwerke AG für den Ausbau des Hafens gewinnen. Gleich der Straßenbahn sollte die F.E.W. dann die Hafen- und Güterbahn übernehmen und den Industrie- und Umschlaghafen betreiben. Was auch immer die Absicht war, nach dem geänderten Vertragswerk von 1941 gab es keinen "Heimfall" mehr, sondern nur noch eine "Übernahme", bei der jedoch die Stadt die Geschäftsanteile der Lokalbahn zum Nennwert erwerben konnte. Nicht mehr 1948, sondern erstmalig zum 1. Januar 1978 sollte diese Übernahme möglich sein. Wie konnte der Oberbürgermeister diesen Vertrag unterzeichnen? Es ist anzunehmen, dass Martin Albrecht, durch private Kreditgeschäfte, die ihn mit den Geschäftsführern der F.E.W. und Lokalbahn verbanden, 1935 und jetzt 1941 ihren Wünschen nachgab. 1943 wurde Albrecht wegen Bestechlichkeit in einem Prozess, deren Hintergründe unklar blieben, zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Geschäfte als Oberbürgermeister übernahm für das nächste knappe halbe Jahr der Oberbürgermeister von Forst, Dr. Gero Friedrich, zuvor Stadtkämmerer in Frankfurt und Mitglied im Aufsichtsrat der F.E.W. Den Vorsitz im Aufsichtsrat der F.E.W. nahm danach der NS-Führer Viktor von Podbielski ein, der im September 1938 zum Oberbürgermeister ernannt wurde.

Wilhelmsplatz


Beim Betrieb des Elektrizitätswerkes und der Straßenbahn macht sich immer mehr der Krieg bemerkbar. Die Ersatzteilbeschaffung wurde immer schwieriger. Bald gab es für alte Weichen keine Ersatzteile mehr, die ganzen Weichen mussten jetzt ausgebaut werden und durch "Kriegsweichen" ersetzt werden. Das Werk musste zusätzlich gesichert werden. 1942 wurde in der Umspannstation Mitte zum Schutz des neu aufgestellten großen Umspanners die Wände durch 10 cm starken Eisenbeton verstärkt. Seit Kriegsbeginn war die Dienstzeit des männlichen Fahrpersonals heraufgesetzt worden, dennoch reichte es zur Gewährleistung des Fahrbetriebes nicht aus. 1940 war schon ein Drittel der Beschäftigten eingezogen. Mitte 1943 wurden Frauen im Straßenbahndepot als Fahrerinnen ausgebildet, die von da an auf der Linie 4 eingesetzt wurden. Im Sommer 1941 mussten die Buslinie B am Wochenende und die Linien C und D ganz eingestellt werden. Ein Jahr später wurden aus "kriegswirtschaftlichen Gründen" - der Treibstoff stand nicht mehr zur Verfügung - schließlich alle Omnibuslinien eingestellt.

Schienenschweißen


Der neue Direktor der F.E.W. Hellmuth Henschke, unter Straub bisher Prokurist, ließ die Busse auf Gasbetrieb umstellen. Die Gas-Busse fuhren bis Januar 1945. Den eigentlichen Ersatz für die mit Benzin betriebenen Busse sollten Oberleitungsbusse bilden. 1941 wurde die O- Bus- Linie Hauptbahnhof - Gronenfelder Weg genehmigt, 1943 die Linie Wilhelmsplatz - Krankenhaus. Die Umbauarbeiten für den O- Bus- Verkehr begannen, Masten wurden gesetzt, Unterwerke errichtet. Obwohl 1944 das Depot in der Fischerstraße fertig gestellt war und die Fahrtleitung "zumindest auf Teilstücken aufgehängt wurde", zum O-Bus-Verkehr kam es nicht mehr. Es waren keine Busse vorhanden. Für die von der AEG zu beziehende E- Ausrüstung der Busse leistete die F.E.W. zwar eine Anzahlung, bekam sie jedoch nicht mehr geliefert. Währenddessen wurden, wie im Ersten Weltkrieg, die Kupferfreileitungen gegen Eisenfreileitungen ersetzt. Bei der Straßenbahn wurden 1943 auf Grund zentraler Anweisung, die Abstände vergrößert. 13 der 45 Haltestellen fielen weg. Das Transportproblem war immer schwieriger zu bewältigen. Über die "Oder-Zeitung", die selbst von Tag zu Tag weniger Seiten enthielt, wurden die Frankfurter aufgefordert, jede "überflüssige Benutzung der Bahn zu unterlassen, zu bestimmten Zeiten keine Kinderwagen mitzunehmen ..." Längst warb die F.E.W. in ihren großen Schaufenstern im Verwaltungsgebäude nicht mehr für elektrische Geräte, sondern rief zum Stromsparen zugunsten der Kriegswirtschaft auf, bis im Februar 1944 die ersten Bomben fielen und dabei auch sieben der acht Schaufenster im F.E.W.- Gebäude zerstört wurden. Die Straßenbahn wurde ab Mitte August 1944 für den Gütertransport genutzt und transportierte die Post vom Bahnhof.

Gütertransport mit der Straßenbahn


Ende Januar 1945 wurde die Stadt zur Festung ausgerufen. Splittergräben und Panzersperren - zu denen auch ein Teil des Straßenbahnwagenparks verwendet wurde - waren überall zu sehen. Nach dem die Rote Armee sämtliche vom Kraftwerk Finkenheerd abgehende Fernleitungen zerschossen hatte, stellte das Kraftwerk zum 6. Februar 1945 die Stromerzeugung ein. Es wird angenommen, dass der Strom für Frankfurt von da an über die 15 kV Leitung aus Richtung Fürstenwalde kam. Schwer zu schaffen machten den Bewohnern der Stadt die ständige Verdunkelung, die häufigen, mitunter stundenlangen Stromausfälle und der Beschuss der Stadt. Im Februar und März wurde die Bevölkerung dann evakuiert. Am 19. April sprengte die Wehrmacht die Oderbrücke. Die Bombardierung der Stadt begann am 22. April. Die Festungstruppen zogen ab. In den Morgenstunden des nächsten Tages rückte die Rote Armee in die Stadt ein. Nur noch etwa 600 Menschen waren in Frankfurt (Oder) geblieben.

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